KI generiert
Ich wollte neulich eine alte Kaffeemaschine kaufen. Gut erhalten, fairer Preis, freundliche Anzeige. Alles perfekt – bis auf einen kleinen Haken: Die Fotos existierten in identischer Form auf drei weiteren Plattformen, die Beschreibung klang verdächtig glatt, und auf meine Nachricht kam innerhalb von Sekunden eine Antwort. Um halb drei nachts.
Willkommen im neuen Alltag auf Kleinanzeigen. KI-Bots haben die Plattform entdeckt – und zwar nicht auf die nette Art.
Das Prinzip ist simpel und erschreckend effizient: Betrüger setzen automatisierte KI-Systeme ein, um massenhaft täuschend echte Inserate zu erstellen. Die Produktbeschreibungen klingen nicht mehr nach holprigem Übersetzungsdeutsch aus irgendeinem Skript, sondern nach einem Menschen, der wirklich eine Kaffeemaschine besitzt und sie halt loswerden möchte. ChatGPT macht’s möglich. Die Texte sind fehlerfrei, persönlich, glaubwürdig.
Noch schlimmer: Wenn man nachfragt, antwortet da kein Mensch. Ein Bot übernimmt den Chat, gibt auf jede Frage eine plausible Antwort, schickt auf Wunsch sogar gefälschte Ausweiskopien oder fingierte Zahlungsbestätigungen. Alles automatisch, alles in Sekunden. Fraud-as-a-Service – fertig konfigurierbar im Darknet.
Woran erkennt man das? Es gibt ein paar verlässliche Warnsignale: Professionelle Produktfotos, die auf dem zweiten Blick aus einem Online-Shop aussehen (Rückwärts-Bildersuche hilft). Reaktionen, die zu schnell kommen, egal wann man schreibt. Verkäufer, die auf Zahlung per Überweisung drängen und einen Versand anbieten, obwohl du nur 20 Minuten entfernt wohnst. Oder die Bitte, die Kommunikation auf WhatsApp zu verlagern.
Die Ironie der Geschichte: Genau zur gleichen Zeit, als KI-gestützter Betrug die Plattform überrollt, hat Kleinanzeigen selbst eine KI-Integration angekündigt. Man kann seit Kurzem direkt über ChatGPT in 58 Millionen Anzeigen suchen – natürlichsprachlich, ohne Filtergedöns. „Ich suche ein gebrauchtes Rennrad in Berlin, unter 400 Euro, Rahmengröße 54″ – und die KI filtert für einen.
Das ist einerseits praktisch. Andererseits baut man gerade eine Autobahn für KI-Suche, während auf der Plattform selbst KI-Betrüger ihr Unwesen treiben. Das klingt nach einem Rennen, das Kleinanzeigen noch nicht entschieden hat.
Meine Kaffeemaschine habe ich übrigens woanders gekauft. Von einem echten Menschen. Ich weiß das, weil er sich beim Übergeben über das Wetter beschwert hat. Kein Bot der Welt tut das.



